Ich schreibe, also bin ich – oder: Warum Menschen ein Buch schreiben

Meine eigene Geschichte

Mein erstes Buch

Mein erstes richtig erfolgreiches Buch habe ich geschrieben, als es mir nicht gut ging. Es heißt „Entdecke deine Zauberkraft“ und enthält Traumreisen. Für Kinder, denen es in dieser Zeit auch nicht gut ging. Denn sie mussten zu Hause bleiben. Hatten Kontaktverbot. Der Spielplatz war mit rot-weißem Band abgesperrt. Das Lächeln der Menschen hinter medizinischen Masken verborgen. In den Nachrichten wurde Angst verbreitet.

Von den eigenen Worten berührt

Doch was beim Schreiben passierte, damit hatte ich nicht gerechnet. Die Traumreisen wirkten und zwar zunächst einmal bei mir selbst. Die Worte berührten mein inneres Kind, wiegten es zwischen den Zeilen sanft hin und her und gaben ihm einen sicheren Raum. Manchmal flossen Tränen. Manchmal musste ich schmunzeln. Und mit jeder Traumreise wurde ich ein Stück heiler.

Weil Schreiben heilsam ist

Dass Schreiben heilsam sein kann, hatte ich schon beim Schreiben von Morgenseiten gespürt. Diese Idee stammt von Julia Cameron aus dem großartigen Buch „Der Weg des Künstlers“. Hierbei dürfen morgens, gleich nach dem Aufwachen, alle Gedanken und Gefühle ungefiltert aufs Papier fließen. Während der innere Kritiker noch im Bett liegt und sich verschlafen die Augen reibt.

Wenn die Seele ein Buch schreibt

Doch dass das Schreiben eines Buches für Kinder meiner eigenen Seele so gut tut, hat mich dann doch überrascht. Nach einem Nichts-geht-mehr begann wieder neue Energie und Lebenslust durch meine Adern zu fließen. Ich hatte mich doch tatsächlich, wie der Baron Münchhausen, an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen. Vielleicht war er gar nicht der Lügner, für den er immer gehalten wurde?

Weil ich zunächst für mich selbst schreibe

Meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Wenn ich ein Buch schreibe, dann schreibe ich es zunächst einmal für mich selbst. Und das darf tief gehen. Das Schreiben fühlt sich nicht immer leicht an. Manchmal ist es auch ein Waten durch den Sumpf der eigenen Vergangenheit. Selbst dann, wenn sich das Thema mit der Zukunft auseinandersetzt.

Erst beim Überarbeiten habe ich die Zielgruppe im Blick

Erst beim Überarbeiten, ein paar Wochen später, denke ich an meine Zielgruppe. Habe ich den richtigen Ton getroffen? Liest sich der Text flüssig? Sind die Informationen verständlich? Fehlen vielleicht noch ein paar Hintergrundinfos? Bis dahin darf mein Text ruhen, wie ein guter Teig. Und meine Seele darf sich auch ausruhen, denn Schreiben ist eben nicht nur Arbeit für meine Finger und mein Hirn.

Zehn gute Gründe, um (ein Buch) zu schreiben

Genau wie es zehn verschiedene Lesemotive gibt, gibt es wahrscheinlich mindestens zehn verschiedene Gründe, ein Buch zu schreiben. Aufmerksame Leserinnen werden bei den folgenden Punkten vielleicht bemerken, dass ich mich ziemlich genau an den Lesemotiven orientiert habe. Und siehe da: Sie können ebenso Triebfedern fürs Schreiben sein.

1. Auseinandersetzen als persönlicher Schreibgrund

Wenn ich über ein Thema schreibe, sacken meine Gedanken noch eine Etage tiefer. Schreiben kann also meine eigenen Gedanken untermauern und mein Verständnis beflügeln. Zunächst einmal wirst du dich beim Schreiben selbst besser kennenlernen. Aber egal, worüber du schreibst, hinterher hast du es besser verstanden.

2. Eintauchen in die Welt der Geschichten

So, wie Menschen Geschichten lesen, um dem Alltag zu entfliehen, gelingt mir das oft beim Schreiben. Der Vorteil gegenüber dem Lesen: Ich tauche nicht nur ein, ich erschaffe diese Welten selbst. Und ich allein bestimme, wie die Geschichte ausgeht.

3. Entdecken durch innere Schreibimpulse

Menschen suchen in Büchern oft nach Inspiration. Was sie dabei manchmal vergessen: Alles, was wir suchen, ist schon in uns angelegt. Wenn ich schreibe, authentisch, aus mir selbst heraus, verschaffe ich mir Zugang zu dieser inneren Inspirationsquelle.

4. Entspannen durch Selbstausdruck

Schreiben ist ein wunderbares Werkzeug, um zu entspannen und abzuschalten. Alles, was schwer ist, lasse ich auf dem Papier. Beziehungsweise im Laptop und dann klappe ich ihn zu. Alles, was ich durchs Schreiben ausdrücken kann, muss nicht mehr in mir kämpfen. So erarbeite ich mir eine kostbare Ruhe, die nach dem Schreiben durch meinen Körper fließt.

5. Lachen – Mit Humor schreibt und lebt es sich einfach besser

Vielleicht hast du schon Folgendes erlebt: Du musstest beim Schreiben schmunzeln oder beim nochmaligen Durchlesen sogar herzlich lachen. Warum nicht den ernsten Geschichten, die das Leben schreibt, eine heitere Note geben? Du selbst bestimmst, welche Worte du wählst. Manchmal sind es gerade die schweren Themen, die leichte Worte brauchen.

6. Leichte Sprache: Die Essenz deines Textes finden

Einfache Sprache macht es uns nicht nur leicht, zu lesen. Sie bringt auch ganz viel Klarheit mit sich. Die Kunst des Überarbeitens besteht darin, alles wegzulassen, was nicht notwendig ist. Und damit meine ich nicht nur Füllwörter. Auch Adjektive und eigene Interpretationen. Die dürfen wir ruhig unseren Lesern und Leserinnen überlassen. Die Essenz eines Textes besteht aus einfachen Worten. Und die wirken oft tiefer als blumige Umschreibungen.

7. Nervenkitzeln: nach Spannung und Gruseligem suchen

Hast du schon mal eine Geschichte geschrieben, von der du selbst nicht wusstest, wie sie ausgeht? Das ist Spannung pur: Im besten Falle kannst du dir dabei zuschauen, wie „es“ dich schreibt. Die Worte fließen einfach so aus dir heraus, oder sollte ich besser sagen: durch dich hindurch? Setz dich hin, lege deine Finger auf die Tastatur und lass dich überraschen!

8. Optimieren: sich schreibend weiterentwickeln

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn du beim Schreiben über ein Thema keine Fragen entwickelst. Sobald sie in deinen Fokus rücken, begegnen dir Antworten. Zufällig im Internet oder bei einem Gespräch. Geh mit einer Frage durchs Leben und schau, was passiert!

9. Orientieren: eine Struktur für dein Buch finden

Nichts gibt so viel Orientierung wie ein gutes Inhaltsverzeichnis. Deshalb rate ich Autorinnen manchmal, ihr Buch mit einem solchen zu beginnen. Ideen in einer Mindmap zu sammeln und dann die KI zu bitten, ein Inhaltsverzeichnis daraus zu erstellen. Nicht alle Punkte werden passen, aber du findest garantiert einen, zu dem du sofort losschreiben magst.

10. Verstehen: Zusammenhänge durch Schreiben ergründen

Von welcher deiner Lernerfahrungen können auch andere Menschen profitieren? Welche Dinge aus deiner Vergangenheit beeinflussen dein Jetzt? Was sagen deine Geschichten über dich und dein Umfeld aus? Nicht nur die fünf Menschen, mit denen du dich umgibst, beeinflussen dein Leben. Sondern auch deine Texte, die du schreibst.

Und deine Motive dahinter: Vielleicht willst du gesehen werden? Oder etwas hinterlassen? Sinn stiften? Du hast einen inneren Schreib-Druck, der erlöst werden will? Du möchtest dich zum Ausdruck bringen? Oder heilen? Es gibt so viele Gründe, einfach anzufangen.

Vielleicht geht es dir ja auch wie mir: Du schreibst, weil du gar nicht anders kannst.

Dieser Beitrag ist Teil von Stephanies Blogparade, in der es um die Gründe geht, ein Buch zu schreiben. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. 😉


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6 Antworten auf “Ich schreibe, also bin ich – oder: Warum Menschen ein Buch schreiben”

  1. Liebe Kerstin,

    wow, was für eine Geschichte!
    Schreiben kann sehr heilsam sein und die Kraft zu finden in einer schwierigen Zeit Geschichten für andere zu erzählen, die auch dich wieder herausziehen, wunderschön.

    Und dann hast du gleich noch zehn gute Gründe ein Buch zu schreiben, jeder einzelne davon so wertvoll.

    Viel Freude beim Weiterschreiben, entdecken, entwickeln und eintauchen.

    Kometenhafte Grüße

    Stephanie

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Kerstin,ich bin fasziniert davon, wieviele Parallelen Dein „ich schreibe weil“ zu meinem Beitrag zur Blogparade hat …. … bis hin zum „ich schreibe, also bin ich …“Ja – ich schreibe auch, weil ich nicht anders kann -und auch mein Buch entsteht anhand des Inhaltsverzeichnisses, in dem immer mal wieder ein Kapitel ruft „komm, heute will ich deine Aufmerksamkeit“ …Lydia

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Kerstin,ich bin fasziniert davon, wieviele Parallelen Dein „ich schreibe weil“ zu meinem Beitrag zur Blogparade hat …. … bis hin zum „ich schreibe, also bin ich …“Ja – ich schreibe auch, weil ich nicht anders kann -und auch mein Buch entsteht anhand des Inhaltsverzeichnisses, in dem immer mal wieder ein Kapitel ruft „komm, heute will ich deine Aufmerksamkeit“ …Lydia

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