Die zehn Lesemotive – deine Orientierung beim Schreiben

Welches Lese-Bedürfnis stillt dein Buch? Und für welche Zielgruppe ist es gedacht?

Manchmal passt ein Buch in kein Genre, beispielsweise, wenn es eine Mischung aus Sachbuch und eigenen Erlebnissen ist. Doch gerade, wenn du anfängst zu schreiben, ist es wichtig, es einzuordnen. Dadurch findest du heraus, wen du mit deinem Buch erreichen willst. Und was du bei deinen Leserinnen und Lesern auslösen magst. Auch für eine Verlagsbewerbung (Exposé) benötigst du eine klare Einordnung deines Buches.

Hier können dir die zehn Leseantriebe oder Reading Motives helfen. Sie beschreiben ganz praktisch:

Warum jemand dein Buch lesen sollte

Welche emotionale Wirkung dein Text hat

Was deine Leserinnen wirklich suchen

Die Zielgruppe deines Buches findest du durch die Frage, welches Bedürfnis es erfüllt, z. B. den Wunsch nach Selbstfindung, Trost oder Orientierung. Deshalb habe ich die zehn Lesemotive kurz und knackig beschrieben und durch jeweils ein Beispiel aus meiner Bücherwelt ergänzt.

Welches der zehn Lesemotive könnte auf dein Buch zutreffen?

1️⃣ Auseinandersetzen: zum Nachdenken angeregt werden

Willst du deine Leser und Leserinnen zum Nachdenken über ein bestimmtes Thema anregen? Zur Selbstreflexion, zum Lernen oder um ein Problem zu lösen?

Ein Buch, das mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, ist „Alles über(s) Leben„, die Geschichte einer jungen Mutter mit Autismus. Svenja Liesch beschreibt ihren Alltag und den Kampf um ihre drei Kinder gnadenlos ehrlich. Es wird klar, dass sie ohne Hilfe nicht für ihre Kinder sorgen kann. Es gibt mehrere Lösungen, für die sich das Jugendamt und die Gerichte entscheiden könnten. Aber welcher Weg ist der beste für Mutter und Kinder?

2️⃣ Eintauchen: dem Alltag entfliehen, hinein in andere Welten

Bietet dein Buch die Möglichkeit, tief in eine Fantasiewelt oder eine Geschichte zu versinken? Eine Flucht aus dem anstrengenden oder tristen Alltagsgeschehen?

Auch meine Traumreisen können solche Inseln im Alltag sein. Eine Mutter hat mir berichtet, dass sie immer dann eine Traumreise mit ihrer Tochter macht, wenn diese mit den Hausaufgaben überfordert ist. Nach nur 15 Minuten Auszeit fühlt sich die Zehnjährige frisch aufgetankt und setzt sich mit neuer Kraft an ihre Aufgaben.

3️⃣ Entdecken: nach neuer Inspiration suchen

Möchtest du deine Leserinnen und Leser inspirieren? Einen Funken in ihren Geist und in ihr Herz setzen? Neue, freudvolle Wege aufzeigen oder ihre Kreativität wecken?

Ein Buch, das mich sehr inspiriert hat, sind die Berührungsräume von Dr. Antje Petershagen. Ihre Geschichten über Menschen mit Krebs hallen noch lange nach.

4️⃣ Entspannen: Ruhe finden, abschalten können

Zeigt dein Buch einen Weg auf, aus dem hektischen Alltag abzutauchen und sich zu erholen? Wieder mehr Gelassenheit zu finden und das Stresslevel zu senken?

Ich liebe es, mich in Gedichte zu verlieren, wie in die zarten Liebes(kummer)krümel von Lenka Michalko.

5️⃣ Lachen: schmunzeln und herzlich lachen können

Möchtest du deine Leserinnen und Leser mit Humor erfrischen? Oder ihnen auf diese Weise eine Perspektive aufzeigen?

Hier mag ich die Bücher von Uli Parthen sehr, sie hat schon einen ganz besonderen Humor. Ihr neuestes Buch „Vollkommen verzückt“ hat mich schon beim Korrektorat zum Lachen gebracht.

6️⃣ Leichtlesen: mühelos lesen durch einfache Sprache

Möchtest du auch Menschen erreichen, denen kognitive oder sprachliche Einschränkungen das Lesen erschweren? Eine selbstbestimmte Teilhabe fördern?

Die Lebenshilfe Berlin veröffentlicht regelmäßig Bücher in einfacher Sprache, zu denen auch ich regelmäßig eine Kurzgeschichte beisteuern durfte.

7️⃣ Nervenkitzeln: nach Spannung und Gruseligem suchen

Willst du deinen Leserinnen und Lesern durch die Ambivalenz zwischen Anspannung und Sicherheit ermöglichen, Angst lustvoll zu erleben?

Im Kurzroman „Mara“ von Alice Rauch trifft Mara eine Unbekannte und es dauert bis zum Ende des Buches, bis das Geheimnis gelüftet ist, was die beiden verbindet.

8️⃣ Optimieren: sich weiterentwickeln wollen

Greift dein Buch ein Thema der Persönlichkeitsentwicklung auf? Bietest du Hilfe beim Bewältigen von Problemen an? Möchtest du das Leben erleichtern?

Im Buch „Aber zu Hause sprichst du doch?!“ schildern Eltern den Weg ihres Kindes mit selektivem Mutismus, um anderen Eltern Hoffnung zu geben und um verschiedene Wege aus dem Mutismus heraus aufzuzeigen.

9️⃣ Orientieren: nach verlässlichen Informationen suchen

Willst du mit deinem Buch Orientierung geben? Bietest du einen Kompass für ein unübersichtliches Thema an, oder baust du einen Leuchtturm im Meer der Informationsüberflutung?

Die Arbeitsblätter von Dr. Antje Petershagen zu ihrem Buch „Berührungsräume“ geben Menschen, deren Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist, eine konkrete Orientierung, um schwierige Situationen zu meistern. Nicht nur für Menschen mit Krebs, sondern für alle Menschen, die herausfinden wollen, was in ihrerm Leben wirklich wichtig ist. Du brauchst nur noch einen Stift. Du findest sie im zweiten Teil ihres Buchs, aber auch im separaten Workbook.

🔟 Verstehen: Zusammenhänge ergründen wollen

Lädst du mit deinem Buch dazu ein, Zusammenhänge zu erforschen? Schaffst du dafür Grundlagen und bietest Werkzeuge an?

Meine buddhistischen Kurzgeschichten in „So ein Licht wohnt auch in dir“ laden Kinder dazu ein, die Zusammenhänge unseres Handelns und Erlebens spielerisch zu erforschen, am besten gemeinsam mit den Eltern und Großeltern. Am Ende jeder Geschichte gibt es als Werkzeug dafür ein paar Fragen und eine Mini-Meditation.

Will das überhaupt jemand lesen?

Diese Frage habe ich schon oft von Autorinnen gehört, die an ihrem Werk zweifeln. Auch hier können die zehn Lesemotive eine Antwort sein. Zweifel packen jede Autorin einmal, selbst die erfolgreichsten. Aber wenn du weißt, welche Bedürfnisse dein Buch erfüllt, kannst du deinen Zweifeln eine Antwort geben.


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